Gut. Wahr. Schön – Meisterwerke des Pariser Salons aus dem Musée d’Orsay

22. September bis 28. Januar 2018

Der jährliche »Salon de Paris« war im 19. Jahrhundert die weltweit wichtigste Kunstausstellung und das gesellschaftliche Ereignis schlechthin. Hunderttausende Besucher kamen, um das vielfältige Schaffen der damals bedeutendsten Künstler zu bewundern. Nun greift die Kunsthalle München erstmals in Deutschland das Phänomen der Salonkunst auf: Anhand von über 100 Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und kunsthandwerklichen Objekten aus dem Musée d’Orsay zeigt die Ausstellung, wie im Pariser Salon klassische Tradition auf modernes Leben traf. Die meisten Kunstwerke waren hierzulande noch nie zu sehen.

Vom klassischen Ideal …

Der Pariser Salon war eine altehrwürdige Institution: In der von Ludwig XIV. (1638–1715) ins Leben gerufenen Ausstellung sollten die Mitglieder der königlichen Kunstakademie ihre Werke präsentieren. Ab 1725 fand die Schau im namensgebenden »Salon Carré« im Louvre statt. Doch trotz großer gesellschaftlicher Veränderungen und der Verstaatlichung des Salons nach der Revolution (1789), bestimmte eine übermächtige Jury bis ins 19. Jahrhundert, welche Künstler teilnehmen durften. Die Juroren fühlten sich nach wie vor einer traditionellen akademischen Kunstauffassung verpflichtet: Kunstwerke sollten das Gute und Wahre in idealer Schönheit zum Ausdruck bringen.

… zum modernen Leben

Technische Könnerschaft, argumentierte die Jury bis spät ins 19. Jahrhundert, sollten die Künstler vor allem mit großformatigen, höchst anspruchsvollen Darstellungen antiker Mythen, biblischer Szenen und historischer Ereignisse unter Beweis stellen. Doch was konnten die schönen Göttinnen und edlen Helden dieser sogenannten Historienmalerei den modernen Menschen im Industriezeitalter überhaupt noch bedeuten? Antikes Ideal und modernes Leben gerieten in Konflikt. Die Historienmalerei musste erneuert werden.
In diesem Spannungsfeld schufen damals weltberühmte Maler wie Jean-Léon Gérôme (1824–1904), Alexandre Cabanel (1823–1889) oder William Bouguereau (1825–1905) Werke, die im Pariser Salon gefeiert, aber auch kontrovers diskutiert wurden. Den Künstlern gelang es, die alte Tradition mit dem Zeitgeist zu verbinden. Ihre Originale wurden weltweit gesammelt; günstigere Reproduktionen fanden beim Bürgertum reißenden Absatz. Nie zuvor hatten Kunstwerke eine solche Popularität und Reichweite erlangt.

Göttin oder Pin-up-Girl?

Die Salon-Künstler gaben der Historienmalerei neue Impulse. Sie nutzten zwar weiterhin große Formate für ihre Gemälde und stellten u.a. Szenen aus dem klassischen Altertum dar – doch mit einem wichtigen Unterschied: Sie brachten opulente Götter- oder Heldenszenen auf ein menschliches Maß und setzten den Alltag ins Bild: Die „Jungen Griechen beim Hahnenkampf“ (1846) von Gérôme ist eines dieser Gemälde mit antikem Flair, aber ganz ohne große Heldengeste.

Viele Neuerungsversuche aber wurden scharf kritisiert: Obwohl es nach allen Regeln der Kunst gemalt war, überschritt Bouguereaus Gemälde »Dante und Vergil« (1850) mit seiner gewalttätigen Körperlichkeit die Grenzen des Hinnehmbaren. Und auch seine »Geburt der Venus« (1879) wurde als vulgär und voyeuristisch gescholten. Diese Kritik wurde in der Kunstgeschichte fortgeschrieben: Bouguereaus Venus sei keine Göttin, sondern ein Pin-up-Girl.

Eine Wiederentdeckung

Die Ausstellung in der Kunsthalle München hat sich zum Ziel gesetzt zu zeigen, wie vielfältig und richtungsweisend das Schaffen der heute zu Unrecht vergessenen Salon-Künstler war. Es gilt, diesen wesentlichen Bereich der französischen Kunst des 19. Jahrhunderts neu zu entdecken.

Hinweis: Während des Ausstellungsumbaus bis einschließlich 21. September geschlossen

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